Planen oder nicht planen – was macht glücklicher?

Es ist wie es ist – Mamas lieben es, zu planen. Die Basis eines funktionierenden Tages mit Kindern ist die Planung. Wenn alles im Vorfeld durchdacht ist fühlen wir uns sicher. So überlegen wir bereits einen Tag vorher welches Frühstück die Kinder am nächsten Morgen in den Kindergarten mitnehmen. Wir hören den Wetterbericht, um ihnen die richtige Kleidung herauszusuchen. Wir planen die Fahrt in den Kindergarten, die Abholung, die Termine für den Nachmittag. Freunde treffen, schwimmen, turnen, reiten – alles gehört ordentlich organisiert. Aber was wenn etwas nicht nach Plan läuft? Im Kleinen kann das dann so aussehen, dass Kleidchenwetter vorausgesagt wurde aber im Kindergarten dann Pfützenspringen an der Reihe ist, die Oma wird krank, der Reitunterricht fällt aus und was machen wir? Umplanen – aber ganz schnell. Meistens fallen wir nach so einem Tag völlig erledigt ins Bett. Aber alles ist machbar und am nächsten Tag ist wieder alles auf Anfang gesetzt.

Nur – was ist wenn alles anders kommt als geplant und man nichts mehr auf Anfang zurücksetzen kann?

 

Während ich mit unserem zweiten Kind schwanger war planten wir auch. Wir überlegten wie wohl das Familienleben zu viert aussehen würde. Voller Spannung und Vorfreude richteten wir das Kinderzimmer ein, lasen mit der Maus Bücher über Schwangerschaft und das Warten auf das Geschwisterchen. Wir buchten für den Krankenhausaufenthalt ein Familienzimmer, damit wir auch von Beginn an alle zusammen sein konnten. Ich hatte eine gewisse Unruhe in mir, da ich mir natürlich dauernd überlegte wie es sein würde mit einem zweiten Kind. Aber das Planen gab mir Sicherheit.

Die Schwangerschaft verlief sehr gut, alles war prima – kein Grund zur Sorge. Im Februar 2016 war es dann endlich so weit. Unser Knödel kam zur Welt. Sie war so bezaubernd und es war ein großartiges Gefühl diesen Moment zum zweiten Mal erleben zu dürfen. Am liebsten hätte ich sie nie wieder aus den Händen gegeben.

11 Stunden nach der Geburt wurde sie von der Nachtschwester abgeholt um ein paar Routineuntersuchungen durchzuführen. Ich gab sie ihr, nicht ahnend, dass ich sie so schnell nicht wieder in den Armen halten könnte. Irgendetwas stimmte nicht mit ihr. Die Sauerstoffsättigung schlug Alarm, als sie an das Gerät angeschlossen wurde. Und dann ging alles ganz schnell. Kurze Zeit später lag sie auf der Kinderkardiologischen Intensivstation, verkabelt und mit Medikamenten versorgt. Sie hat einen Herzfehler – das war schnell klar. Wie schwer wusste zu dieser Zeit niemand. Es war ein Schock. Innerhalb von Sekunden brach alles zusammen. Unsere Planung, unsere Vorstellungen, die wunderbaren Bilder, die ich mir über ein Leben mit zwei Mädels im Kopf ausgemalt hatte – unser ganzes Leben würde sich verändern egal wie es ausgeht.

Heute hat Knödel bereits mehrere Operationen überstanden – davon eine am offenen Herzen. Diagnose reihte sich an Diagnose und am Ende stand fest, sie hat einen Gendefekt (Digeorge Syndrom – Deletion 22q11), einen schweren Herzfehler und eine Immunschwäche. Alles hat sich verändert. Meine Vorstellungen von einem glücklichen Leben, meine Werte und Ansichten musste ich überdenken. Alles kam völlig ungeplant. Niemand hätte mit einer solchen Wendung in unserem Leben gerechnet. Aber macht es uns unglücklicher wenn es nicht läuft wie geplant?

Ich glaube, wir als Familie, können heute aus vollem Herzen sagen – Nein. Die erste Zeit war nicht einfach. Die neue Situation und die Krankheit unserer kleinen Tochter zu akzeptieren und mit ihr zu leben war ein sehr schwerer Weg für uns. Aber wir sind ihn gegangen – für unsere Kinder und für uns selbst. Wir sind alle über uns hinaus gewachsen und haben an Stärke gewonnen. Knödel ist dabei unser bestes Vorbild. Ihre Lebensfreude, ihre Kraft und ihr Mut lassen uns immer weiter gemeinsam wachsen.

Am Ende würde ich sagen, dass Planung nicht glücklicher macht, nur sicherer.

Was meint ihr dazu?

Eure Sonja

 

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