Wahre Freunde – Ganz nah und doch so fern

Am Geburtstag der Maus war es endlich wieder so weit. Ihr Patenonkel und mein bester Freund kam zu Besuch.

Nachdem wir jahrelang nur einen Katzensprung voneinander entfernt wohnten, zog es ihn vom Dorf hinaus in die weite Welt. Das war damals unvermeidlich, denn er ist ein Freigeist. Kreativität und Inspirationen verschiedenster Art gehören eben einfach zu seinem Leben. Und das fand er nicht zwischen Kühen und Kleinstadt.

Als er wegzog überwog daher bei mir auch die Freude für ihn, dass er endlich das gefunden hatte, was ihn glücklich macht. Auch wenn es mich in dem Moment zutiefst traurig gemacht hat. Aber das macht wahre Freundschaft aus – die Wege des anderen mit zu gehen obwohl es nicht das ist was man sich für sich selbst wünscht. Doch gerade als wir im letzten Jahr als Familie harte Zeiten erlebt haben wurde mir bewusst, dass die Distanz uns nicht voneinander entfernen kann. Es gab eine sehr lange Zeit in der ich mich von meinen Freunden ein Stück weit distanziert habe. Eben einfach, weil ich mit der neuen Situation selbst erstmal klarkommen musste und ich keine Erklärungen für etwas geben konnte was ich selbst teilweise nicht verstand. Aber unsere Freundschaft hat das ausgehalten. Christopher hat mir niemals das Gefühl gegeben, dass ich ihn wegstoße oder, dass er zu wenig beteiligt ist an dem was mich gerade zutiefst beschäftigt. Aber er war da. Er war immer da wenn ich ihn brauchte. Und in den schwierigsten Situationen war er die Person mit der ich reden wollte. Er hat nicht viel gefragt sondern einfach zugehört, er hat nicht verurteilt und was das wichtigste für mich war – er hat niemals mit Floskeln geantwortet wie: „Das wird schon“ und trotzdem hatte ich nach den Gesprächen mit ihm immer das Gefühl, dass wieder alles gut wird. Niemand der es nicht selbst erlebt hat kann nachvollziehen was die plötzliche Nachricht über eine schwere Krankheit des eigenen Kindes mit einem macht. Dieses Gefühl wünscht man auch niemandem. Aber gerade dann sind Freundschaften so wichtig, die nicht kompliziert sondern einfach sind. Denn alles andere ist schon kompliziert genug.

Da wir uns jetzt nicht mehr dauernd sehen sondern vielleicht höchstens viermal im Jahr wenn Christopher zu Besuch kommt, ist es umso ein schöneres Gefühl ihn nach so einer langen Zeit wieder zu umarmen. Dann möchte ich ihn am liebsten gar nicht mehr loslassen. Auch die Maus freut sich immer riesig wenn er da ist. Obwohl sie nicht so häufig Kontakt zu ihm hat habe ich das Gefühl, dass zwischen den beiden schon eine kleine Freundschaft besteht und das macht mich sehr glücklich und stolz. Deshalb haben wir ihn damals auch als Patenonkel ausgesucht. Eben in der Hoffnung, dass sie sich dem Onkel mal genauso verbunden fühlt wie die Mama. Es würde mich freuen wenn er mal diejenige Person wäre zu der sie geht, wenn sie das Gefühl hat mit uns nicht reden zu können. Es wäre wirklich schön, wenn er ein fester Bestandteil ihres Lebens wird und die noch kleine Freundschaft zu einer ebenso großen wird wie zwischen der Mama und dem Onkel.

Am Ende der Geburtstagsfeier hatten wir noch Zeit für ein Gläschen Wein und ein kleines Pläuschchen. Dann war es auch wieder vorbei und der Onkel Christopher musste zurück in die große Stadt, wie wir der Maus immer sagen.

Als er dann gegangen ist muss ich die Tränen unterdrücken, denn eins ist klar, mit ihm in meiner Nähe geht es mir doch einfach besser.

Danke, Christopher!

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