Und wenn das Theaterstück vorbei ist…..

Ein kurzer Rückblick vorab: Nachdem die Maus und der Papa in unserem Urlaub krank waren und wir sogar unsere Reise nach Südtirol abbrechen mussten, entschlossen wir uns dazu, am Ende des Urlaubs, als alle wieder kurzzeitig gesund waren, ins Senckenbergmuseum zu fahren. Die Maus interessiert sich momentan für Dinosaurier und wollte unbedingt dorthin. Wir zogen also voller Vorfreude los, denn es war nach 2 Wochen Krankheit endlich mal wieder ein schöner Familienausflug in Sicht. Jetzt weiß jeder, der Kinder hat, was es heißt einen solchen Ausflug vorzubereiten. Gerade mit kleinen Kindern gibt es einiges woran man denken muss und speziell mit einem kranken Kind kommt da nochmal eine Schippe oben drauf. Wir kamen also nach einer entspannten Fahrt dort an und verbrachten eine volle halbe Stunde voller Begeisterung im Museum. Dann ging das Drama los.

Die Maus meinte plötzlich: „Ich will jetzt nach Hause“. Das war irgendwie merkwürdig, denn eine Sekunde bevor dieser Satz fiel war sie noch bester Laune. Ich versuchte, sie zu überzeugen noch zu bleiben, aber als ich sah, dass sich ihre Unterlippe langsam vor die Oberlippe schob, sie die Augen rollte und ihre Schultern Richtung Boden fallen ließ, wusste ich, dass es keinen Sinn macht. Ich dachte erst, dass es ihr doch noch nicht wirklich gut ging aber als der Papa dann einwarf, dass sie wahrscheinlich nur nach Hause wolle weil sie bereits an den Plüschdino dachte, den sie im Gift Shop am Eingang gesehen hatte, stieg in mir eine leichte Wut auf. Denn es war so. Offensichtlich kam ihr dieser spontan wieder in den Kopf und sie hatte feste vor ihn ihren anderen Stofftieren zu Hause vorzustellen. Nach einer kurzen Diskussion wurde ihr dann klar, dass ihr Plan nicht aufgehen würde und sie fing natürlich an, Theater zu machen. Die Vorführung wurde gekürt mit einem elegant dramatischen Fall im Museumsbistro und als das Ganze drohte in einem solch kulturellen Ambiente auszuarten verließen wir die Szenerie. Ohne Applaus aber mit etwas gesenktem Kopf. Die einzige, die die Vorführung mit Begeisterung betrachtete war Knödel. Wir fuhren also wieder nach Hause und Frankfurt ist nicht gerade um die Ecke.

Der Tag ging genervt zu Ende und ich fragte mich: Wann war es so weit gekommen? Hätte mir früher mein bester Freund im Museum ein Theater gemacht, ich wäre gegangen und hätte ihn stehen lassen.  Ich hätte auch niemals Menschen in mein Haus eingeladen, die nach dem Essen meinen Fußboden unter dem Esstisch hinterlassen als wäre der Einkauf für die nächste Woche dort geparkt. Aber heute gehört das dazu. Die Menschen, die das tun wohnen bei uns. An den darauffolgenden Tagen habe ich viel darüber nachgedacht was sich alles geändert hat im Vergleich zu der Zeit ohne Kinder. Und ich kam zu dem Schluss: Vieles. Seitdem ich Kinder habe,

  • relaxe ich Sonntagsmorgens nicht mehr vor dem Fernseher sondern bastle ab 6 Uhr Dinosaurier
  • trinke ich meinen Kaffee nur noch lauwarm bis kalt. Mittlerweile schmeckt er mir so.
  • rede ich so viel, dass ich Abends manchmal Backenkrämpfe habe
  • ziehe ich mich nicht mehr dreimal am Tag für irgendwelche Termine um, sondern weil entweder Essensreste oder Erbrochenes auf mir kleben
  • bin ich der Meinung, Schlaf ist völlig überbewertet. 4 Stunden pro Nacht reichen völlig. Das muss auch nicht am Stück sein
  • verschiebe ich Termine fünfmal, um sie beim sechsten Mal endlich wahrnehmen zu können
  • lackiere ich meine Nägel im Auto
  • mache ich mich für die Arbeit zurecht und stelle dort nach 2 Stunden fest, dass ich vergessen habe das andere Auge zu schminken
  • warte ich nicht mehr voller Spannung auf die neuste Staffel von Grey`s Anatomy sondern von Feuerwehrmann Sam

……..

Die Liste könnte ewig so weitergehen. Viele, die das jetzt lesen und (noch) keine Kinder haben werden sich zurecht fragen: Warum sollte ich welche bekommen? Ich persönlich kann dazu nur sagen, weil

  • wir so viel mehr lachen als früher
  • ich von niemandem stärker gebraucht werde
  • ich von niemandem intensiver geliebt werde
  • ich niemanden intensiver lieben kann
  • sich beim Anblick meiner Kinder während sie schlafen ein nie gekanntes Wohlfühlgefühl in mir ausbreitet
  • weil ihr Duft einzigartig ist und ich ihn am liebsten für immer konservieren würde
  • weil ich niemals zuvor so viel Stolz empfunden habe
  • weil ich auch einfach mal wieder Kind sein kann
  • weil ich mit niemandem so eng verbunden bin

…….

Auch diese Liste könnte ewig so weitergehen. Und während ich schreibe fällt mir auf, dass mir die zweite Liste leichter fiel als die erste.

Ich war vor kurzem mit meinen Freunden bei einem Kinderkonzert. Während des Konzertes schauten meine Freundin und ich uns an und mussten lachen. Früher standen wir bei Destiny`s Child in der ersten Reihe, heute rocken wir zu Bi-Ba-Butzemann.

Ich für meinen Teil kann sagen, so schön, flexibel und unabhängig mein Leben früher war, meine Kinder machen es besser.

Ich werde mich noch ganz oft in die frühere Zeit zurückwünschen. Nämlich genau dann wenn Knödel mal wieder durch ihren Jähzorn alle zum Wahnsinn treibt oder die Maus die Diva in einem Theaterstück spielt. Aber dahinter sind meine beiden Liebsten versteckt und die legen nach Ende der Vorstellung ihr Kostüm auch ganz schnell wieder ab.

Wie ist das bei euch? Welche peinlichen Szenen habt ihr schon mit euren Kindern erlebt? Ich freue mich auf Antworten.

Eure Sonja

 

 

 

 

 

 

 

 

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