Der Alltag mit einer 4-jährigen – Ein Wechselspiel zwischen Liebe und Wahnsinn

Trotzphase – das hat wohl jeder schon mal gehört. Aber davon hören heißt noch nicht, es erfahren. Denn als ich das erste Mal davon gehört habe und meine kleine Maus ansah dachte ich, das wird schon nicht so wild. Die ist so süß, die wird doch nicht trotzig. Schön, wenn man immer so voller Hoffnung sein kann. Als sich dann die ersten Anzeichen auftaten habe ich mich doch sehr gewundert und mich gefragt in welche Richtung das wohl führt. Das schien mir alles nicht nur „Trotz“ zu sein, das wirkte eher wie die Pubertät – mit 4 Jahren? Ich redete mit einer Freundin darüber und sie sagte dann tatsächlich: „Hast Du denn noch nie von der kleinen Pubertät gehört?“ Nein, hatte ich noch nicht. Aber kennenlernen durfte ich sie bereits. Sie kam langsam, etwas unbemerkt und in kleinen Schritten. Kostümiert als süße Lieblichkeit haben wir sie in unser Haus gelassen und jetzt wohnt sie bei uns. Seitdem sie bei uns eingezogen ist darf ich mir Sachen anhören wie:

„Ihhhh, was ist das ekliges? Das esse ich nicht.“

„Rede ich etwa Chinesisch?“

„Das ziehe ich nicht an.“

„Nein, ich kann jetzt nicht. Ich bin beschäftigt.“

 

Schreien beim Haarewaschen, motzen beim Anziehen, beleidigter Gesichtsausdruck, Augenrollen, alles nervig und eklig finden was früher prima war. Wo ist mein Kind? Frage ich mich da ab und an. Wenn sie mich mal wieder mit ihrem Genörgel in den Wahnsinn treibt muss ich mir manchmal wirklich Mühe geben sie zu suchen. Irgendwo hinter diesem beleidigten Gesicht muss sie doch stecken, die süße kleine Maus, die mein Essen früher geliebt hat, die ich immer knuffeln und knuddeln konnte ohne Gegenwehr und die Mamas Ratschläge immer angenommen hat. Heute wird widersprochen und diskutiert und ich muss sagen, sie hat extrem gute Argumente.

Nachdem ich nun Gelegenheit hatte, mir das ganze Schauspiel länger zu betrachten bin ich der Meinung, die Bezeichnung „Kleine Pubertät“ trifft es viel eher als „Trotzphase“. Ich nehme das jetzt mal als Übung für die „Große Pupertät“ an und versuche meine Kleine zu verstehen. Denn was ja sehr offensichtlich ist, sie entwickelt sich aktuell stark weiter. Diese Phase scheint in kleinen und vorsichtigen Schritten in Richtung Selbstständigkeit zu führen. Ich merke wie diese schwierige Zeit sie immer größer werden lässt in vielerlei Hinsicht. Sie lernt sich selbst kennen, entwickelt ihren eigenen Charakter, sucht sich Freunde aus, findet Hobbys und Dinge die ihr Spaß machen. Sie merkt, sie hat jetzt eine Stimme. Sie kann entscheiden und weiß genau, dass sie manchmal Recht hat und mich mit ihren guten Argumenten umstimmen kann.

Im Alltag hat man zwischen Kindern, Haushalt, Job und andern Verpflichtungen oft keine Zeit unter der Oberfläche zu graben. Man ist schnell genervt von diesen Trotzanfällen und möchte den Tag manchmal einfach nur hinter sich bringen. Aber als Eltern müssen wir genauer hinsehen und was vor allem wichtig ist, wir müssen unseren Kleinen zeigen, dass wir sie verstehen und auch wenn sie uns gerade zum Wahnsinn treiben immer für sie da sind und sie auffangen. Das ist die Entwicklung, da müssen und sollen sie durch. Manche Kinder mehr, manche weniger aber diese Phase gibt ihnen so viel Gutes für ihr Leben mit, dass wir sie an der Hand nehmen und sie begleiten müssen. Wir gehen einen gemeinsamen Weg über Steine, überwinden Berge, schlagen uns durch dichten Nebel und am Ende sind wir weit gekommen. Gemeinsam.

Manchmal bin ich am Ende des Tages wirklich froh, wenn ich sie zu Bett bringen kann. Nicht, weil ich dann Ruhe habe sondern weil wir, egal was war, Frieden schließen. Ich gebe ihr einen Kuß und sage ihr, wie sehr ich sie liebe. Dann schläft sie ganz ruhig ein. Oft liege ich noch neben ihr und beobachte sie. Ich beobachte wie ihre kleine aufgewühlte Seele ein paar Stunden zur Ruhe kommt bevor es am nächsten Tag weitergeht.

Solltet ihr das auch schon mal durchgemacht haben oder kommt gerade in den Genuss, wie war oder ist das denn bei euch? Ich freue mich über Antworten.

Eure Sonja

 

 

 

 

 

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. 🙂 Schön beschrieben. „Wer bist du, und was hast du mit meiner Tochter gemacht?“, hab ich auch des öfteren gedacht. Meine Große ist jetzt seit 12 Jahren in der Pubertät… Ich wünsch dir starke Nerven!! 🙂 🙂 Aber es gibt ja auch die tollen schönen Phasen und die werden immer schöner, hab ich den Eindruck, also rocken wir auch den Trotz!!

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    1. Sonja sagt:

      Oje, seit 12 Jahren. Da kommt ja noch was auf uns zu😂😂Aber ich bin Deiner Meinung, je älter sie werden, desto besser wird es auch. Und so lange die schönen Momente überwiegen ist ja alles gjt😊

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      1. Ach nein, 😀 😀 Das hört sich viel schlimmer an, als ich es meinte 😀
        Aber sie hatte auch mit 3 ihre ersten pubertären Anwandlungen. Wir haben eine wunderbare Zeit miteinander!!! 🙂

        Gefällt 1 Person

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