Reich mir Deine Hand, ich geb`Dir meine

am

Am Samstag war unsere Maus zum ersten Mal alleine auf einem Kindergeburtstag. Sie ist jetzt 4 Jahre alt und da fängt das wohl so langsam an mit dem „alleine bleiben“. Sonst hatte ich mich immer dazu gesetzt und mich mit den anderen Mamas unterhalten bis die Party vorbei war. Ich war nie Teil davon aber im Hintergrund und diese Sicherheit brauchte sie immer. Als ich sie dann am Samstag zu dem Geburtstag brachte und mich schon bei Kaffee und Kuchen sitzen sah, sagte sie in der Haustüre plötzlich zu mir: „Du kannst jetzt fahren. Ich will alleine bleiben.“ Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet. Aber gut, wenn sie das nun aus eigenem Willen so entscheidet, unterstütze ich sie natürlich darin einen weiteren Schritt in Richtung kleine Welt der Selbstständigkeit zu gehen. Denn ich merke, sie möchte es, hat aber ein kleines bißchen Angst davor. Und ich weiß, wenn ich jetzt nicht sofort gehe, überlegt sie es sich anders. Also spüle ich meinen Kaffee runter, drücke sie ganz feste und wünsche ihr ganz viel Spaß. Dann geht die Tür zu. Und da stehe ich, Knödel auf dem Arm und keine Ahnung wohin ich gehen sollAlso gut, dann fahre ich erstmal nach Hause. Zu Hause angekommen, dann mein nächster Überraschungsmoment: Knödel ist im Auto zu einer total untypischen Uhrzeit eingeschlafen. Jeder Versuch, sie zu wecken, damit sie mich bespaßen kann,
scheiterte. Ich schaue auf die Uhr: 15:30 Uhr – noch drei Stunden bis die Maus wieder nach Hause kommt. Was sich da vor mir auftut ist ganz merkwürdig. Ich habe plötzlich Zeit. Ich habe ungeplant Zeit und weiß nicht was ich damit anfangen soll. Es gäbe um mich herum sicher genug zu tun – Wäsche waschen, putzen, aufräumen, aber irgendwie kann ich mich gerade auf nichts davon einlassen. Es ist so still. 40 Minuten ist es nun her, dass ich die Maus abgegeben habe und ich vermisse sie schon. Aber gut, wenn ich die Zeit schonmal habe, dusche ich in Ruhe. 40 Minuten später bin ich fertig mit duschen und muss mir schnell etwas anderes suchen, also backe ich Brot. Knödel schläft immer noch. Nochmal testen, ob sie wach wird wenn ich sie am Fuß kitzle – nichts tut
sich.
Wer diese Zeilen liest, wird sicher denken, ich bin verrückt. Aber ich glaube ich bin einfach nur eine Mama.
So oft wünsche ich mir Zeit für mich. Der Alltag ist bei uns hauptsächlich geprägt durch arbeiten, Termine, Haushalt, fahren von hier nach dort und abends platt auf die Couch fallen. Zeit für uns ist Luxus geworden. Ich meine nicht die Zeit, die man dann damit verbringt Erledigungen zu machen und seinen Plan abzuarbeiten sondern die Zeit in der man etwas für sich tut, in der man mal alles stehen und liegen lässt und einfach mal abschaltet. Jetzt ist sie da und ich kann nichts damit anfangen. Sie hat mich überrollt und während ich noch überlege was ich mit ihr anfangen soll ist sie gleich in weiter
Ferne. Und dann vermisse ich sie wieder.

Aber wisst ihr warum ich mich so schwer damit tue, diese Zeit zu nutzen? Die Mamas unter euch wissen es sicher. Die Zeit kommt auf mich zu aber mein Kind rückt ein Stückchen von mir weg. Wenn dieses alleine bleiben auf dem Geburtstag auch nur einen Millimeter auf ihrer Reise darstellt, ist dies der erste kleine Schritt in ihre eigene Selbstständigkeit. Ich bin wehmütig und unendlich stolz zugleich. Zeigt es mir doch auf, dass sie älter wird, ihre eigenen Wege geht und ihre persönlichen Erfahrungen macht. Was bisher nur in meinen Gedanken war, wird Realität. Es ist also nicht die plötzlich gewonnene Zeit, die mich zum Nachdenken bringt, sondern die Entwicklung die dahintersteht. Ein wenig traurig bin ich darüber, dass sie mich jetzt ein kleines bißchen weniger braucht. Zumindest physisch. Vielleicht hat der Maus das aber auch ihre Sicherheit heute gegeben als sie zu mir sagte, dass ich fahren kann. Sie weiß jetzt, dass ich niemals wirklich weg bin, sondern, dass sie nur ihre Hand ausstrecken muss damit ich ihr meine reichen kann. Ich bin zwar nicht körperlich anwesend aber für sie bin ich da. Und das wird immer so bleiben. Sie wird ihren Weg gehen, ihre eigenen Fußspuren hinterlassen aber ich gehe meinen ganz in ihrer Nähe. Unsere Wege werden sich immer wieder treffen und das hört niemals auf. Während ich diese Zeilen schreibe kann ich mich an ein Gespräch mit einer lieben Kollegin aus England erinnern, deren beide Mädels bereits aus dem Haus sind und studieren. Wir haben darüber geredet wie schnell die Kinder groß werden und ich sagte damals, dass ich Angst davor habe, meine Mädels irgendwann nicht mehr so knuffeln und abknutschen zu können, weil sie dann zu alt dafür sind und sie entgegnete: „Dafür sind sie niemals zu alt.“
Als die Maus dann um 18:30 Uhr endlich vor unserer Haustüre stand und ich diese öffnete, strahlte sie über das ganze Gesicht. Wir umarmten uns und sie berichtete mir mit so viel Freude wie toll es gewesen ist. Ich glaube aber, es war nicht nur die Freude, die sie strahlen ließ sondern auch ein kleines bißchen Stolz auf sich selbst und ich strahlte mit.
Übrigens war die Maus am Dienstag wieder auf einem Geburtstag. Diesmal hat sie aber schon einen Tag vorher angekündigt, dass sie dort alleine bleiben wird. Und was habe ich in der Zeit gemacht? Brot gebacken;-)
Wie ist oder war das denn bei euch? Ist das „loslassen“ bei euch auch schon Thema oder habt ihr bereits Erfahrungen gemacht?

 

Eure Sonja

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Sonja sagt:

    Liebe Sonja,
    Ich kann dich so gut verstehen. Wie machen gerade dieselbe Entwicklung. Meine Große ist 3 1/2 und fängt auch gerade an, eigene Wege zu gehen.
    Zuerst war es ein 4. Kindergeburtstag mit älteren Kindern aus ihrer Kiga-gruppe. Alle blieben schon länger allein, da wollte sie auch unbedingt. Obwohl sie mit Abstand die Jüngste war.
    Aber die Mutter dort ist ihre alte Erzieherin aus der Krippe. Da ging das sehr gut.
    Vor ein paar Wochen wollte sie dann unbedingt bei ihrer besten Freundin übernachten.
    Sie kennt die Famile sehr gut und die Mama ist meine Freundin und hat auch hier bei uns schon mal abends babygesittet. Warum also nicht probieren, dachten wir.
    Ich war total drauf eingestellt, sie dann doch wieder abzuholen. Aber um neun kam die SMS : beide Mädels schlafen.
    Was soll ich sagen, ich bin hier rumgetigert und fand das Haus so unendlich leise und leer mit nur einem Kind. 😉
    Ich glaub mir ist es viel schwerer gefallen als ihr.
    Das müssen wir Mamas eben auch immer wieder lernen. Dieses Loslassen. Und nicht nur die Kinder.
    Ganz liebe Grüße

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    1. Sonja sagt:

      Liebe Sonja, schön zu hören, dass es anderen Mamas genauso geht😊Übernachten war hier „zum Glück“ noch kein Thema😂Aber sicher kommt das bald. Oje, davor habe ich schon Angst. Dann schlafe ich sicher die ganze Nacht nicht. Du hast völlig Recht, ich glaube uns Mamas fällt es schwerer als den Kindern. Auf jeden Fall ist es für alle Beteiligten ein ganz neues Abenteuer😊Ganz liebe Grüße

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