Schlaf Kindlein Schlaf – Das Elternbett als Tröster in der Nacht

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Das Thema Schlaf bei Kindern ist schon ein großes. Aber vor allem ist es interessant wie facettenreich es ist. Wenn ich mit meinen Freundinnen über unsere Kinder rede, kommt die Sprache regelmäßig darauf wie ihre Schlafrhythmen sind. Da gibt es Babys, die den gesamten Tag verschlafen und andere können sich nur schwer fallen lassen. Es gibt Kindergartenkinder, die Abends immer noch Probleme beim Einschlafen haben und andere, die Nachts regelmäßig aufwachen. Trost und die Ruhe, um wieder einzuschlafen finden sie dann oft nur bei den Eltern. Ich kann verstehen, dass das Thema viele Eltern so stark beschäftigt, denn je nachdem wie die Schlafveranlagung der Kinder so ist, kann das an unsere Nerven gehen. Bei uns war es mit der Geburt der Maus nicht anders. Während der Schwangerschaft bekam ich natürlich von allen Seiten zu hören, wie es optimal zu laufen hat:

  • Das Baby möglichst nicht in den Schlaf schaukeln, sonst gewöhnt es sich daran
  • Kinder sollten nicht bei den Eltern, sondern im eigenen Bett schlafen
  • Niemals das Baby zu viel in die Trage packen, das gibt Haltungsschäden
  • Bloß nicht zum Einschlafen stillen, dann bekommt man nachher Probleme beim abstillen
  • Und, und, und

Als Erstmama habe ich natürlich versucht, alles zu beherzigen, kam aber recht schnell an meine Grenzen. Denn siehe da, mein Kind hatte von diesen Regeln noch nie etwas gehört und sie hat sich auch nicht weiter dafür interessiert. Da wurde mir klar, hier macht mein Kind die Vorgaben und meine Idealvorstellungen kann ich direkt über Bord werfen. Das war dann der Punkt, an dem es mir plötzlich besser ging. Denn jetzt fiel der ganze Stress zu diesem Thema von mir ab und die Maus und ich haben es einfach mal so gemacht wie wir es für richtig hielten und vor allem wie es uns guttat. Erstes Thema bei uns war, sie wollte tagsüber nicht im Bett schlafen. Ich habe sie gestillt, dabei ist sie eingeschlafen, ich wollte sie ins Bett legen – wach. Was habe ich also gemacht, entweder habe ich die Zeit genutzt und mich dazu gelegt (alle frisch gebackenen Mamas wissen wie müde man sein kann ;-)) oder wir sind bei akzeptablem Wetter mit dem Kinderwagen spazieren gegangen. Die Maus schlief und das war es was zählte. Oft hatte ich sie auch in der Bauchtrage. Das fand ich besonders praktisch wenn ich nebenbei noch etwas erledigen wollte oder wir unterwegs waren. Ich glaube, das hat auch der Maus am besten gefallen, denn welches Kind mag es nicht ganz nah bei der Mama zu sein. Die Wärme, Zuneigung und Geborgenheit, die unsere Kinder in diesem Moment fühlen, können sie ja einfach nur gut schlafen lassen. Abends hat es meistens besser funktioniert. Ich habe sie zum Einschlafen gestillt und konnte sie danach in ihr Bett legen. Dort schlief sie dann ein paar Stunden bis sie aufwachte und Hunger hatte. Dann holte ich sie zum stillen in mein Bett und wir schliefen aneinander gekuschelt wieder ein. Meistens habe ich sie nicht wieder zurück gelegt, denn Morgens die Augen zu öffnen und sie direkt anblicken zu können bescherte uns einen guten Start in den Tag. Wenn sie dann noch schlief und ich sie dabei beobachten konnte – das gehörte damals zu unseren schönsten Momenten. Das behielten wir alles ganz lange so bei. Und alle die jetzt denken, oje, da können sich später nur Probleme entwickelt. Nein, so war es nicht. Ich habe irgendwann abgestillt, weil sie nicht mehr an die Brust wollte. Sie hat dann bis sie 2 Jahre alt war zum Einschlafen ein Fläschchen bekommen. Manchmal auch noch eins in der Nacht. Das brauchte sie eben. Als ich es ihr dann kurz nach ihrem zweiten Geburtstag wie jeden Abend geben wollte, mochte sie es nicht mehr. Auch in der Nacht nicht. Sie wollte auch nie wieder zurück in diese Zeit. Wir hatten mal eine Phase in der sie nicht mehr bei Mama, sondern in ihrem Bett, einschlafen wollte. Für eine kurze Dauer, sollte ich sogar aus dem Zimmer gehen. Heute ist sie 4 Jahre alt und wir schlafen wieder aneinander gekuschelt nach einem Gutenachtbuch und 3 Fantasiegeschichten à la Mama ein. Gut, wenn sie überzeugende Argumente hat, werden es auch mal 4 Geschichten. Jeden Abend. Und wir lieben es. Dieser abendliche Moment zu zweit, wo wir auch mal ein bißchen aktuellen Mädelskram bequatschen, wo sie mir erzählt wie ihr Tag war und manchmal auch was sie gerade so beschäftigt. Diese Zeit ist unbezahlbar. Eine ganze Weile war ihre kleine Schwester auch noch dabei und wir sind zu dritt eingeschlafen aber sie darf nicht mehr dazu, weil sie der Maus zu wuselig ist. Und da hat sie Recht;-) Daher bringe ich die Kleine vorher ins Bett.

Da die Schlaferfahrungen bei der Maus so positiv waren, habe ich es natürlich bei Knödel nicht anders gemacht. Sie habe ich sogar noch mehr getragen, geschaukelt und zum einschlafen geknuddelt, da sie es einfach brauchte. Durch ihre Erkrankung waren wir in den ersten 4 Monaten bereits 5 Wochen voneinander getrennt und das hinterlässt Spuren. Sie braucht meine Nähe – intensiv und gerade beim schlafen. Wenn sie aufwacht und findet mich nicht, weint sie sofort. Daran merkt man wirklich, wie stark die Empfindungen unserer Kinder von Anfang an ausgeprägt sind. Wir sind ihr Halt, ihr Fels, ihre Insel – von der ersten Sekunde an. Ab Beginn ihres Lebens brauchen sie uns. Sie spüren unsere Zuneigung und Verbindung zu ihnen bereits in Mamas Bauch. Wenn ich darüber nachdenke, dass meine Kleine bereits 5 Wochen ihres Lebens in der Nacht ohne mich sein musste, werde ich traurig. Zu wissen, sie ist aufgewacht und ich war nicht da – nur fremde Menschen um sie herum. Sie schwamm auf offenem Meer ohne Insel in Sicht. Wer hier immer noch der Meinung ist, dass Kinder in dem Alter das nicht mitbekommen liegt falsch. Wenn ich höre, dass Eltern ihre Kinder schreien lassen, um ihnen ein Schlafritual aufzudrücken, dass sie mit keiner Faser ihres kleinen Körpers wollen, kann ich es kaum fassen. Dass es hierzu auch noch Ratgeber auf dem Markt geben darf ist mir ein Rätsel. Ein so kleiner Mensch, der nicht alleine einschlafen kann und deshalb weint, braucht keinen Einschlafplan sondern Fürsorge, Zuneigung und Liebe. Es kann anstrengend werden, Nachts immer wieder aufstehen zu müssen und ein kleines Wesen im Arm zu schaukeln, dass mit seinen Emotionen und Gefühlen nicht alleine klar kommt. Nicht alleine, aber mit uns zusammen. Sein Kind weinen zu lassen oder traurig wieder ins eigene Bett zurück zu schicken, macht die Situation sicher nicht besser sondern schlimmer. In diesen Momenten, in diesen Minuten, die unser Kind uns braucht setzen wir Weichen fürs Leben. Auf ein Kind zu reagieren, was offensichtlich ein Problem hat, stellt keine Schwäche der Eltern da. Denn hier geht es sicher nicht um das Festlegen von Machtpositionen sondern ganz im Gegenteil. In diesen nächtlichen Momenten werden die Grundsteine für Vertrauen, Bindung und Freundschaft gelegt. Und was kann daran falsch sein?

Beide Mädels dürfen nachts jederzeit zu uns kommen. Hier gibt es keine Einschränkungen und niemals die Worte: „Du musst aber wieder zurück in Dein Bett“. Sie legen sich zu uns und kurz darauf schlafen sie wieder unter unserer Bettdecke aus Geborgenheit, Liebe, Wärme und Vertrauen ein. Es gibt für uns alle nichts Schöneres. Die Maus kommt nicht mehr so häufig rüber und wenn ich in der Nacht wach werde vermisse ich sie. Die Zeit in der sie uns so intensiv brauchen, geht schnell vorbei. Das bemerke ich gerade beim Schreiben dieses Textes. Egal wann ich aufstehen muss und wie anstrengend der vorangegangene Tag war, die nächtliche Wanderung ins Elternbett verstehe ich niemals als Ruhestörung sondern als Zeichen der Liebe.

Wie läuft das denn mit dem Schlafen bei euch? Ich freue mich über eure Geschichten.

Aber jetzt erstmal eine gute Nacht!

Eure Sonja

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