Wir matschen im Kartoffelbrei – Mein Beitrag zur Blogparade „Kinder sind Forscher“

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Die ganze Woche habe ich hin und her überlegt mit welchem Text ich wohl an der Blogparade von Xmalanderssein teilnehmen könnte. Denn es ist mir ein Anliegen dort mitzumachen. Tagelang fiel mir nichts ein bis sie dann heute kam. Die Muse. Und wie das so ist bei uns Schreibern wenn die Muse uns küsst, dann müssen die Ideen Worte formen und diese müssen raus in die Welt. Deshalb fallen heute auch mal meine Freitagslieblinge aus und stattdessen poste ich diesen Artikel, der ein Thema aufgreift, das mir sehr am Herzen liegt. Vielleicht kann ich hiermit auch eure Gedanken ein wenig darauf lenken.

Ich sitze gemütlich am Esstisch und schaue Knödel beim Essen zu. Meinen Kopf vor Müdigkeit auf den Arm gestützt beobachte ich intensiv was sie da tut. Es gibt Kartoffelbrei mit Lachs. Ich berichte hier gerade nicht von einer perfekten Essens Situation sondern vor meinen Augen spielt sich folgendes ab: Knödel hat zwar einen Löffel in der Hand doch gegessen wird hier über Umwege. Der Kartoffelbrei ist viel zu interessant. Und der Lachs erst. Beides wird nicht nur gelöffelt sondern mit vollem Körpereinsatz erkundet. Und ich meine das so wie ich es sage. Die Lachsstücke müssen ganz nah an die Nase gehalten werden bevor sie im Mund landen um zu riechen wie wunderbar er duftet. Kartoffelbrei mit dem Löffel zu essen ist verschwendete Forscherzeit, denn mit der Hand kann man doch viel besser erspüren wie großartig er sich anfühlt. Nur um es kurz klarzustellen, bei ihr landet alles im Mund. Irgendwann. Nur nicht auf direktem Weg. Und wenn die Schüssel dann fast leer ist muss auf jeden Fall nochmal der Kopf rein gesteckt werden, um sie mit der Zunge auszuschlecken und die Konsistenz der einzelnen Zutaten intensiver zu spüren. Erst dann ist sie satt und vor allem zufrieden. Es ist nicht einfach dieses Spektakel in Ruhe zu betrachten denn um mich herum entstehen gerade Lachsfußspuren der Maus und der Kartoffelbrei klebt überall in Knödels Haaren. Ich bin ehrlich, oft ist es so, dass ich ihr sage, sie soll „richtig“ essen, sich endlich wieder hinsetzen statt auf dem Tisch zu sitzen und vor allem Löffel und Gabel benutzen. Oft greife ich in ihr Essritual ein und ermahne sie bis ich dann einen kurzen Moment innehalte und mich selbst ermahne. Ich störe da gerade nämlich etwas ganz besonders Wichtiges in der kindlichen Entwicklung. Für mich ist es „nur“ Kartoffelbrei aber für Knödel ist es die Erforschung der Welt.

Wir müssen unsere Kinder lassen auch wenn es für uns manchmal stressig und nervig ist. Wir müssen sie auf eigene Faust die Welt entdecken lassen, denn diese Esssituation gerade hat nichts damit zu tun ob mein Kind Tischmanieren hat oder nicht. Nein, es geht hier nicht darum, das zu tun was ich von ihr verlange sondern darum zu entdecken, erkunden, fühlen – es geht um Entwicklung. Und da stelle ich mal wieder fest, dass ihr Leben jetzt schon voller Vorgaben und Ermahnungen ist. Tu dies nicht, tu das nicht, mach`es so und nicht so. Und dabei unterdrücken wir ihre Kreativität und ihren Forschungsdrang. Die Erkenntnis kommt bei mir auch nicht immer durch, denn sind wir mal ehrlich, ich mag unser Esszimmer lieber ohne Kartoffelbrei an der Wand. Aber ich schaffe es immer häufiger auf mein Kind zu hören, das mir damit sagen will: „Mama, jetzt lass`mich einfach mal machen.“ Und vielleicht hilft die Förderung ihres extremen Forschungsdrangs irgendwann mal Gutes damit zu tun. Ich würde es mir wünschen.

Dieser Text ist mein Beitrag zur Blogparade von Xmalanderssein zum Thema „Kinder sind Forscher“. Die Blogparade läuft im Rahmen des Rare Disease Days. An diesem Tag wird ein Zeichen für seltene Erkrankungen gesetzt. Auch das Syndrom unserer Tochter fällt in die Kategorie der seltenen Erkrankungen. Es ist aber glücklicherweise nicht so selten, dass man kaum etwas darüber weiß. Das Digeorge Syndrom ist bereits relativ gut erforscht und es kommt bei 1-2 von 4.000 Kindern vor. Ich bekomme also häufig Antworten auf die Frage, die sich Eltern betroffener Kinder stellen: Warum?. Es gibt allerdings noch einiges zu tun hinsichtlich der Erforschung seltener Erkrankungen, denn viele Eltern bekommen bisher kaum oder keine Antworten und dieser Zustand ist unvorstellbar nervenaufreibend. Der Rare Disease Day findet am 28.02. statt und steht dieses Jahr unter dem Motto „Forschung“. #SETZDEINZEICHENFÜRDIESELTENEN und sprich`über diesen Tag, nimm`an Annes Blogparade teil oder besuche ihren Blog. Hier laufen im Februar noch weitere Aktionen. #SHOWYOURARE – Wir tun es.

Lasst eure Kinder erforschen, lasst sie ihren Weg gehen, drückt ein Auge zu. Unsere Kinder sind die Erwachsenen von morgen, die vielleicht einmal Antworten finden, die für uns heute noch nicht sichtbar sind. Sie werden Großes bewirken.

Leider habe ich es verpasst von der Kartoffelbreiszene ein Bild zu machen. Aber ihr seht, dass Forschung mit jeglicher Art von Essen betrieben werden kann.

Eure Sonja

22 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ich liebe es meine Kinder dabei zu beobachten wie sie die Welt entdecken. Es ist total faszinierend.
    Liebe Grüße
    Natalia

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    1. Sonja sagt:

      Es ist wirklich einfach großartig, dass sie so viel wunderbares entdecken was unsere Augen vor lauter Selbstverständlichkeit nicht mehr sehen😍LG Sonja

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  2. sonjamarisa sagt:

    Eine tolle Aktion und so wunderbar beschrieben. Ich ärger mixh auch immer über den Satz: essen ist kein Spielzeug. Doch, für die Kinder eben doch. Nur wir tun uns da so schwer mit diesem Entdeckerdrang laufen zu lassen.

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    1. Sonja sagt:

      Da hast Du vollkommen Recht. Der Satz ist mir aus meiner Kindheit noch Ohr😉Liebe Grüße Sonja

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  3. Denise sagt:

    Ein toller Artikel mit viel Liebe geschrieben!! Danke dafür! Wir sollten den Zwergen viel öfter mehr Freiraum lassen! ♥️

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    1. Sonja sagt:

      Liebe Denise, vielen lieben Dank für Deine Worte. Das sehe ich genauso. LG Sonja

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  4. Mama sagt:

    Schön geschrieben! Es ist manchmal gar nicht so einfach, das Erwachsensein auszuschalten und das Kind Kind sein lassen.

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    1. Sonja sagt:

      Ganz genau so ist es. Gerade im Alltagsstress tut man sich damit oft schwer. Es muss ja auch nicht immer gelingen aber wenn wir dahingehend wenigstens schonmal achtsam sind ist das der erste Schritt.

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  5. Küstenmami sagt:

    So eine schöne Aktion und ein toller Text! Mir fällt es auch nicht immer leicht, die Balance zwischen Gewährenlassen und Eingreifen zu finden – doch Du hast recht, der Forscherdrang kleiner Kids ist etwas Wunderbares und sollte gefördert werden ❤

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    1. Sonja sagt:

      Vielen lieben Dank. Schön, dass es ganz viele so sehen❤

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  6. Christiane sagt:

    Ich finde es auch toll, wenn meine Kinder die Welt entdecken ♥

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    1. Sonja sagt:

      Es ist immer schön zu hören wenn das noch mehr Mamas so sehen😍

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  7. Kinder ,üssen ihre Welt ERleben. Natürlich nicht in pink an meiner weißen Wand, aber hey Kartoffelbrei ist genau für so was da.

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    1. Sonja sagt:

      Ganz genau so ist es😊

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  8. Nadja Luge sagt:

    Ein toller Artikel. Und Kartoffelbrei ist wirklich super zum Matschen

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    1. Sonja sagt:

      Ja, das finden wir auch😂

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  9. Nadja sagt:

    Ein toller Artikel. Und Kartoffelbrei ist doch perfekt zum Matschen.

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  10. familienkarussell sagt:

    Mein Löwenmädchen ist mit Ihren 18 Monaten auch sehr intensiv am Forschen. Sie liebt es mit der Gabel zu essen, mit dem Löffel ist es noch etwas schwierig. Da landet alles um sie herum bzw. auf dem Schoß, nur nicht im Mund. Irgendwann fängt sie dann einfach mit den Fingern an zu essen. Selbst die Nudeln aus der Suppe hat sie schon mit ihren Fingerchen gefischt.

    Ich gebe zu es ist manchmal nervig, weil es so unglaublich viel Arbeit macht aber ich lasse sie trotzdem . Sie hat da so viel Spaß dabei und ihr kleines Gesichtchen verändert sich dabei und strahlt immer glücklich. Sie isst gut, wenn sie alleine essen kann.

    Daher lasse ich sie immer einfach machen!

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    1. Sonja sagt:

      Augen zu und durch denke ich mir da manchmal😉Solche Phasen sind eben einfach wichtig. Unsere Kleine erlebt das sehr intensiv, aber siehe da, seit wenigen Tagen isst sie plötzlich auch ganz wunderbar mit dem Löffel. Hat geklappt ohne Druck und Gemecker😊Schön, dass Du es auch so siehst. Liebe Grüße, Sonja

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  11. Nicole sagt:

    Ich sehe es auch so… Kinder sollen auch einfach mal entdecken dürfen 🙂

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    1. Sonja sagt:

      Schön, dass Du es auch so siehst😊Liebe Grüße, Sonja

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